Tagesarchiv für den 06. Mai 2008

Paris für Nichttouristen

Geht ein Deutscher auf Reisen neigt er dazu, sich nicht als Tourist zu fühlen, wie all die anderen Reisenden. Zwar tut er genau das gleiche wie diese „richtigen” Touris, aber immer in dem Glauben, alles tiefgründiger und authentischer zu erleben. Daher auch wohl die Neigung sich Landsleuten gegenüber nach Möglichkeit nicht zu erkennen zu geben – natürlich ein unsinniges Unterfangen. Wer sich wirklich von den Massen der Reisenden unterscheiden will, sollte dann auch andere Pfade einschlagen. Selbst die beliebtesten Reiseziele bieten dazu ungezählte Möglichkeiten, auch wenn man kaum glauben sollte, dass etwa Paris, schon seit Jahrhunderten ein Besuchermagnet, noch etwas Neues zu bieten hätte. Genau dies ist jedoch der Fall und die weniger bekannten Ecken sind gar nicht so schwer zu finden. „Paris von hinten” könnte man das Vorhaben nennen, nicht nur die altbekannten Fotomotive abzuklappern, sondern sich, ganz im Sinne des typisch deutschen Bildungsbürgers oder wer sich zumindest dafür hält, dorthin zu begeben, wo auch die Einheimischen verkehren.Auf dem Weg zu den Geheimtipps, wie man die weniger spektakulären Attraktionen auch gerne nennt, darf man sich ruhig als „richtiger” Tourist tarnen und beispielsweise mit einem Seine-Boot den Verkehr umgehen und den Tag gemächlich angehen lassen. Erlaubt ist auch ein Spaziergang über die Champs-Elysees, solange man sie nur auf dem Weg zu etwas Verborgenen durchquert.

Während dann alle anderen sich Paris vom Eiffelturm aus betrachten und dafür kräftig zahlen dürfen, erklimmen sie einfach das Arabische Institut und bewundern die Skyline von dessen Terrasse aus. Statt Espresso gibt’s dort Tee, der ist ohnehin im Sommer erfrischender. Auch Notre-Dame ist von dort zu sehen, und zwar von hinten, was die Exklusivität ihrer Exkursion noch steigert. Sehenswert ist auch das Gebäude in dem sie sich gerade befinden. Zwar ein moderner Entwurf mit gelungenem arabischen Touch, aber genau wegen solcher Kleinigkeiten sind wir ja vom üblichen Weg abgewichen.

Auch als Nichttourist dürfen sie natürlich shoppen gehen. Den Unterschied macht, wo sie das tun. Eine Empfehlung ist das Pariser Schwulenquartier Marais, früher das Judenviertel. Dort findet besonders Mann alles was ausgefallen und erschwinglich ist – problemlos lassen sich aber auch größere Summen anlegen – eben für jeden etwas, man fühlt sich ganz wie ein Einheimischer mit Ortskenntnis.

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Paris für Nichttouristen II

Nach getaner Arbeit, einkaufen ist schließlich anstrengend, besonders die vielen zu treffenden Entscheidungen kosten Energie, gibt es Gelegenheit zur Erholung in einem der zahlreichen Cafes und Bistros. Bitte aber nur dann etwas bestellen, wenn noch genug Geld im Portemonnaie sein sollte. Aber da wir keine Touristen sind, haben wir kein sinnloses überteuertes Zeug gekauft, das wir daheim niemals anschaffen würden, sondern haben auf den Preis geachtet. Daher machen uns die Pariser Hauptstadtpreise für Getränke jetzt nichts aus und wir gönnen uns einen Aperitif. Den kleine Hunger stillen wir mit den meistens mit jeder Bestellung einhergehenden Nüsschen, die nichts extra kosten weil sie schon in die Preise einkalkuliert sind.Sollte sie jetzt noch nicht gesättigt sein, stehen ihnen im wahrsten Sinne des Wortes die Küchen der ganzen Welt offen. In Paris gibt es nichts was es nicht gibt. Von A wie Arabisch bis Z wie Zypriotisch ist die gesamte Breite und Tiefe der kulinarischen Welt abgedeckt. Bestimmte Schwerpunkte haben sich in einzelnen Arrondissements gebildet, so kann man im dreizehnten, dem Pariser China-Town, asiatische Küche in riesiger Auswahl geniessen. Wer jetzt einwendet, man sollte in Paris französische Küche bevorzugen, denkt wie ein Tourist, und das wollten wir ja nun wirklich nicht, oder? Daher genießen wir den weltstädtischen Charme der Metropole und essen nur einheimisch, wenn uns der Sinn danach steht.

Zwischendurch darf es vielleicht etwas klassische Kultur sein. Um alle Pariser Museen zu besuchen würde man Jahre benötigen; meistens kennt man nicht einmal die in der Heimatstadt. Daher ist ein kluge Auswahl angesagt. In den Louvre geht jeder, daher meiden wir ihn und suchen uns kleine Perlen heraus. Beeindrucken kann man später die Daheimgebliebenen mit dem Hinweis auf das Rodin-Museum. Es ist wenig bekannt, daher unsere erste Wahl. Im Garten steht unter anderem seine berühmte Denker-Skulptur, die wir anstatt in unzähligen schlechten Kopien einmal im Original bewundern dürfen.

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