Paris für Nichttouristen
Geht ein Deutscher auf Reisen neigt er dazu, sich nicht als Tourist zu fühlen, wie all die anderen Reisenden. Zwar tut er genau das gleiche wie diese „richtigen” Touris, aber immer in dem Glauben, alles tiefgründiger und authentischer zu erleben. Daher auch wohl die Neigung sich Landsleuten gegenüber nach Möglichkeit nicht zu erkennen zu geben – natürlich ein unsinniges Unterfangen. Wer sich wirklich von den Massen der Reisenden unterscheiden will, sollte dann auch andere Pfade einschlagen. Selbst die beliebtesten Reiseziele bieten dazu ungezählte Möglichkeiten, auch wenn man kaum glauben sollte, dass etwa Paris, schon seit Jahrhunderten ein Besuchermagnet, noch etwas Neues zu bieten hätte. Genau dies ist jedoch der Fall und die weniger bekannten Ecken sind gar nicht so schwer zu finden. „Paris von hinten” könnte man das Vorhaben nennen, nicht nur die altbekannten Fotomotive abzuklappern, sondern sich, ganz im Sinne des typisch deutschen Bildungsbürgers oder wer sich zumindest dafür hält, dorthin zu begeben, wo auch die Einheimischen verkehren.Auf dem Weg zu den Geheimtipps, wie man die weniger spektakulären Attraktionen auch gerne nennt, darf man sich ruhig als „richtiger” Tourist tarnen und beispielsweise mit einem Seine-Boot den Verkehr umgehen und den Tag gemächlich angehen lassen. Erlaubt ist auch ein Spaziergang über die Champs-Elysees, solange man sie nur auf dem Weg zu etwas Verborgenen durchquert.
Während dann alle anderen sich Paris vom Eiffelturm aus betrachten und dafür kräftig zahlen dürfen, erklimmen sie einfach das Arabische Institut und bewundern die Skyline von dessen Terrasse aus. Statt Espresso gibt’s dort Tee, der ist ohnehin im Sommer erfrischender. Auch Notre-Dame ist von dort zu sehen, und zwar von hinten, was die Exklusivität ihrer Exkursion noch steigert. Sehenswert ist auch das Gebäude in dem sie sich gerade befinden. Zwar ein moderner Entwurf mit gelungenem arabischen Touch, aber genau wegen solcher Kleinigkeiten sind wir ja vom üblichen Weg abgewichen.
Auch als Nichttourist dürfen sie natürlich shoppen gehen. Den Unterschied macht, wo sie das tun. Eine Empfehlung ist das Pariser Schwulenquartier Marais, früher das Judenviertel. Dort findet besonders Mann alles was ausgefallen und erschwinglich ist – problemlos lassen sich aber auch größere Summen anlegen – eben für jeden etwas, man fühlt sich ganz wie ein Einheimischer mit Ortskenntnis.
jetzt kommentieren? 06. Mai 2008
