Tagesarchiv für den 14. Mai 2008

Fahrradreise in den Orient I

Schon seit einigen Jahren hat sich das Reisen per Fahrrad immer weiter verbreitet. Was am Anfang ein exotisches Unternehmen für Außenseiter war, kann heute mit allem Komfort gebucht werden, oder – man macht es auf eigene Faust, zum Beispiel mit dem Drahtesel nach Istanbul.Entscheidend sind gute Vorbereitung und ordentliches Material. Man sollte nicht das billigste Rad erwerben und bei der Ausrüstung auf praktische Handhabung und Wetterfestigkeit achten – schließlich ist unterwegs nicht immer schönes Wetter.

Für eine Reise zu zweit ist die Anschaffung eines Tandems überlegenswert – man schont seine Kräfte und man kann sich unterwegs nicht verlieren.

Diese Reise ist auf 2 ½ Wochen angelegt, sollte also üblicherweise innerhalb des  normalen Jahresurlaubs zu bewältigen sein.

Los geht es im Fränkischen in Richtung der tschechischen Grenze. Eine erste Belastungsprobe ist das Waldsteingebirge. Als Belohnung für den anstrengenden Aufstieg winkt die mühelose Abfahrt auf der anderen Seite. Die Landschaft bietet zahlreiche idyllische Flecken, die zur Rast einladen, so auch der Weißenstädter See.  Die Grenze ist dank der EU kein Hindernis mehr und kann ohne Kontrolle passiert werden. Über die tschechische Schnellstraße, die sich auf diesem Streckenabschnitt leider nicht vermeiden läßt, geht es nach Franzensbad, wo der Zug nach Kosice abfährt; eine notwendige „Abkürzung”, schließlich muss der Zeitplan eingehalten werden.  Die siebzehnstündige Fahrt sollte man am Besten im Liegenwagen verbringen, damit man für die Weiterreise ausgeruht und fit ist. Ein Blick aus dem Abteilfenster lohnt aber allemal – die Strecke führt vorbei an den slowakischen Gebirgen und weiter durch die Tatra.

Angekommen in Kosice führt der Weg Richtung Süden zur nahe liegende ungarischen Grenze. In Ungarn mit seinen überaus gastfreundlichen Einwohnern fällt es übrigens leicht eine schönes Plätzchen zum Campen zu finden. Ein Zelt sollte bei einer solchen Tour nämlich auf keine Fall fehlen. Einmal um die Übernachtungskosten zu drücken, zum anderen weil man nie sicher sein kann, ob man am Ende eines Reisetages eine Übernachtungsmöglichkeit im Hotel oder einer Pension findet. Noch ein Tipp: rechtzeitig mit der Ausschau beginnen, möglichst ein paar Stunden bevor es dunkel wird!

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Fahrradreise in den Orient II

Ungarn ist ein fahrradfreundliches Land, nicht zuletzt da es hauptsächlich aus Ebenen besteht. Alle paar Kilometer erreicht man ein typisches ungarisches Dorf, wo man selbst im Kleinsten ein Lädchen existiert, das üblicherweise auch die Funktion der Dorfkneipe übernimmt. Die Versorgungslage ist also meist gut, wobei man für alle Fälle auch eigenen Vorräte mitführen sollte. Felder, Flüsse und  Dörfer wechseln sich auf unserer Reise ab. Ungarn ist ein fruchtbares Land. Allerorten finden sich Obstbäume, die eine kostenlose Zwischenmahlzeit bieten. Füllt man sich nicht gerade den Rucksack mit dem reichhaltigen Angebot, wird der jeweilige Eigentümer nicht dagegen haben, wenn man sich an seinem Baum bedient. Man sollte es aber nicht versäumen um Erlaubnis zu fragen, falls sich jemand in der Nähe befindet; schließlich sind wir Gäste und wollen einen guten Eindruck hinterlassen.

Noch haben sich hier viele ursprüngliche Dinge erhalten. Nicht jeder Fluss verfügt über eine Brücke und anstatt einer Motorfähre kann man auch einmal vorkommen, dass man ganz wie in alten Zeiten ans gegenüberliegende Ufer gerudert wird. Im ländlichen Gebieten wird man, jedenfalls zur Zeit, nur relativ selten einem Fahrzeug begegnen. Herrlich ruhige Touren über lange Strecken machen die Reise durch dieses Land außerhalb der größeren Städte zu einem besonderen Erlebnis.

Die nächste Etappe bringt uns über die rumänische Grenze. Die erste größere Stadt nach etwa dreißig Kilometer ist Satu Mare. Hier ist alles modern und sehr geschäftig, anders als man es vielleicht von Rumänien erwarten würde. Außerhalb größerer Orte ist das Land jedoch noch immer zum Teil fast mittelalterlich. Handarbeit selbst beim Straßenbau ist normal, Fuhrwerke gehören noch heute zum Straßenbild. Dafür hat sich eine herrliche Natur erhalten, etwa riesige Eichenwälder voller Steinpilze, die man an jeder Ecke erwerben kann. Die Straßen sind außerhalb der Städte beinahe durchgehend schlecht, was die gemächlichen Einwohner jedoch nicht stört – sie passen ihr Tempo den Verhältnissen an und der Besucher sollte es ebenso halten. Um Verpflegung muss man sich hier noch weniger Sorgen machen als in Ungarn – die Dörfer reihen sich hier fast nahtlos aneinander und auch hier gibt es überall ein Lokal mit preiswerten Gerichten und Getränken.

Ab Certeze nähern wir uns den Karparten – vorbei die gemütliche Fahrt in der Ebene. Auch hier muss man sich um Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeiten keine Sorgen machen. Ähnlich wie in den Alpen gibt es bewirtschaftete Hütten, die auch die Möglichkeit zum Campen anbieten.

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Fahrradreise in den Orient III

Weiter geht’s über Schlaglöcher Richtung ukrainische Grenze. Der Fluss Tisza ist der Grenzfluss zwischen den beiden Staaten. Die Grenze überschreiten wir jedoch nicht, sondern folgen dem Grenzverlauf auf rumänischer Seite nach Sapinta. Dort gibt es den sogenannten „Lustigen Friedhof”, eine regelrechter Touristenmagnet in dieser abgelegenen Weltgegend. Seinen Namen hat diese letzte Ruhestätte von dem etwas pietätlosen aber lebensnahem Brauch, auf den Gräber bemalte Schilder aufzustellen, die nicht die Ruhmestaten, sondern die Fehler der Verstorben verewigen. Ob Spiel oder Liebe, hier erfährt man etwas über die amüsanten Seiten der Verblichenen.Die folgende Strecke unterscheidet sich deutlich von dem Rumänien, das wir beim Grenzübertritt kennen gelernt haben. Hier herrscht die Armut, gegen die ersichtlich jedermann ankämpft. Nicht das Schöne, sondern allein das nützliche ist Gegenstand der überall sichtbaren Anstrengungen der Dorfbevölkerung. Ab dem Städtchen Sighetu Marmatei nimmt der Wohlstand allmählich wieder zu. Ein wenig Luxus gönnt man sich hier, was an der Zusammensetzung der örtlichen Geschäfte abzulesen ist.

Jenseits des Städtchens fährt man dem Fluss Iza folgend durch endlose Heufelder

Im nächsten Örtchen Barsar ahnt man einen Hauch von Moderne: ökologisches Bauen in Holz zeigt, dass selbst Rumänien etwas von Klimaveränderung und den sich daraus ergebenden Marktchancen mitbekommen hat. Man hat sich hier nicht unbedingt auf technologische Innovationen spezialisiert, sondern eher auf kunstreiche Verzierungen. Bemerkenswerte Sehenswürdigkeite im Ort ist ein komplett aus Holz gefertigtes Kloster; bereits sechshundert Jahre alt, aber neuerdings vollständig restauriert.

Holz ist überhaupt das prägende Baumaterial der Region. Selbst Kirchen sind aus diesem Material gefertigt, ganz zu schweigen von Bauernhöfen und Wohnhäusern. Die etwas wohlhabender wirkende Gegend der letzten Kilometer erkennt man auch an der für rumänische Verhältnisse dichten Besiedlung. Einen ungestörten Platz zum nächtlichen Campen zu finden kann daher etwas zeitaufwändiger sein und man sollte beizeiten damit beginnen.

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Österreich – ab ins Waldviertel

Der Frühling ist eine perfekte Jahreszeit eines der beliebtesten Urlaubsländer zu bereisen. Für einen kurzen Trip ins Nachbarland Österreich bietet sich das Waldviertel an.Kunstbeflissene sollten vorher einen kurzen Abstecher nach Krems machen, das quasi auf dem Weg liegt. Im dortigen Kunsthaus sind stets interessante Ausstellungen zu bewundern. Es muss nicht immer eine der großen Metropolen wie München oder Berlin sein, auch in der Provinz gibt es bemerkenswerte kulturelle Höhepunkte.

Für das Mittagessen nach dem Kunstgenuss bietet sich ein Ausflug ins nahe Senftenberg an. Mit etwas Glück spielt das Wetter mit und man kann sich das erste Mal im Freien niederlassen. Im Nigl läßt es sich gut und günstig speisen. Man sollte nicht versäumen den vorzüglichen Kremstaler Wein zu verkosten – nicht unbedingt ein preiswertes Vergnügen, aber man wird feststellen, dass es sich lohnt!

Die nächste Station ist Zwettl, eingebettet in eine auf Grund der Lage weniger üppige aber durchaus reizvolle Natur. Auch hier gibt es bei Bedarf ein Museum, eine herrliche Kulisse historischer Gebäude. Unübersehbar auf dem Hauptplatz ist der Hundertwasserbrunnen, den man wenigsten betrachtet haben sollte. Übrigens: in Zwettl ist das Parken (noch) umsonst – vielleicht die bemerkenswerteste Touristenattraktion.

Für die Übernachtung bietet sich das wenige Kilometer entfernte Schloss Rosenau an, eine prunkvolle Kulisse nicht nur für Hochzeiten, sondern auch um sich einmal so richtig verwöhnen zu lassen. Hier bleibt kein Wunsch unerfüllt, der Service entspricht der vornehmen Adresse. Neben ausgezeichnetem Essen, egal ob Frühstücksbuffet oder ein umfangreiches Menue am Abend, ist für alles gesorgt. Es existiert beispielsweise eine Trainingsraum und auch eine umfangreiche Bibliothek, ganz nach Stimmung und Geschmack lassen sich so wundervolle Tage verbringen.

Das Waldviertel ist ein Wandergebiet von besonderem Reiz. Direkt vom Schloss aus lassen sich verschiedenen ausgewiesene Wege begehen. Über den sogenannten Weltkugelweg führt eine etwas dreistündige Wanderung durch die Höhepunkte der Landschaft wieder zurück zur Unterkunft. Dort steht zur Wiederherstellung der verbrauchten Kräfte alles bereit. Im heimeligen Schlosshof kann man bei einheimischen Bier und einer deftigen Brotzeit entspannen und den nächsten Ausflug planen. Dazu muss man im Zweifel gar nicht weit gehen: im Schloss selbst befindet sich das Freimaurermuseum – eine lehrreiche und spannende Angelegenheit, die man nicht auslassen sollte!

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