Backpacker zwischen Klischee und Bildungshunger

01.April 2009

Reisen bildet, zumindest wenn es konsequent und unter den richtigen Umständen betrieben wird. Der Pauschaltourismus mit All-Inclusice-Hotels bietet zwar Erholung und Entspannung, schafft aber keine Nähe zu der Kultur und den Menschen des bereisten Landes. Abseits der Sternehotels und der Pauschalurlaube hat sich deshalb eine Form des Reisens etabliert, der bewusst vom Luxus abkehrt.

 

Backpacker reisen oft ohne festgelegte Reiseroute, lediglich das erste Ziel ist bekannt. Im Gepäck: Ein Buch, eine Klopapierrolle und ein Blanko Rückflugticket, damit die Heimkehr gesichert ist. Den Rahmen der Reise bildet die Lust am Unbekannten, wann genau die Rückreise angetreten wird, wollen die meisten nicht festlegen. Übernachtet wird dort, wo es günstig ist, kleine Nebenjobs stocken die Reisekasse auf und sorgen für das Ticket zum nächsten Ziel. Die Ungebundenheit für einige Monate, das Leben unterwegs und vor allem die Bekanntschaft mit neuen Menschen lockt die Backpacker in die Ferne. Meist sind es junge Leute, die während des Studiums eine Auszeit nehmen. Viele der Rituale haben sich seit Beginn des Backpackings erhalten, so zum Beispiel das Accessoire, das den Reisenden ihren Namen gab: der obligatorische Rucksack. Alles Wichtige wird hier verstaut, die Wasserflasche erhält ihren Platz in einer von außen aufgesetzten Tasche, damit sie schnell gegriffen werden kann. Schmuck und Wertgegenstände führen Backpacker kaum mit sich, nicht nur aus Angst vor Diebstahl, auch als erkennbares Zeichen für ihre Unabhängigkeit. Gemeinsame Frühstücke in den Backpacker-Hotels gehören ebenfalls zum Leben unterwegs, hier werden Erfahrungen ausgetauscht und Ideen für das nächste Ziel geboren.

 

Daneben jedoch wird der nahezu romantisch verklärte Ausstieg für einige Monate ganz bewusst für spätere Berufsziele genutzt. Viele Backpacker machen die Reise um die Welt zu einem zentralen Punkt in ihrem Lebenslauf. Die Unabhängigkeit, das offene Zugehen auf ein fremdes Umfeld und mögliche gewonnene Sprachkompetenzen sollen zukünftige Arbeitgeber beeindrucken und das benötigte Quäntchen Individualismus vermitteln. Keine andere Reiseform bedient so unterschiedliche Ansprüche wie das Backpacking, das zwischen Entdeckerdrang und Bildungsansprüchen hin und her gerissen ist.

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