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Die Ursprünge des Tourismus

Die ersten Menschen, die auf Reisen gingen, taten dies nicht wie heutzutage zu Zwecken der Erholung, sondern meist aus beruflichem Grund oder zum Handel.Die ältesten erhalten gebliebenen Schriften stammen aus dem frühen Mittelalter und geben einen Einblick in das Leben zu dieser Zeit. Wer keine Länder sein eigen nannte, die bestellt werden mussten, blieb eher selten an einem Ort. Ein Großteil der Handwerker oder fahrenden Händler zog durch die Dörfer um seine Dienste und Waren feilzubieten. Auf ihren Reisen baten sie oft um eine Unterkunft oder ein Mahl, für welches sie im Gegenzug zahlten, meist in Form einer dargebrachten Leistung, eher selten in Form von Geld.

Ebenfalls berichtet wird in der mittelhochdeutschen Literatur von Kreuzzügen. Christliche Heere brachen auf, um in das heilige Land vorzudringen und es von den „Heiden”, in diesem Fall von den Menschen muslimischen Glaubens, zu „befreien”. Etwa zu derselben Zeit entwickelte sich eine weitere Form des Reisens, die nicht nur Fahrenden und Kriegern vorbehalten war: das Pilgern.

Pilgerreisen hatten im Mittelalter einen ausgeprägt symbolischen Charakter. Vor allem drei heilige Orte wurden von den Wallfahrern besucht: Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela; Orte, an denen heilige Reliquien aufbewahrt wurden. Die beschwerliche Reise, die nahezu ausschließlich zu Fuß unternommen wurde, sollte von den auf Erden begangenen Sünden läutern und schließlich einen Platz im Himmelreich sichern. Als Belohnung für die Strapazen erhielten die Pilger an ihrem Ziel einen Ablassbrief, der dem reuigen Sünder alle bisherigen Sünden vergab. Mit zunehmendem Einfluss der Kirche auf die Menschen im Hochmittelalter vermehrte sich die Zahl der Wallfahrer deutlich. Die am Weg liegenden Kirchen, Pfarreien und Klöster konnten zu Beginn noch jedem Reisenden eine Bettstatt und ein warmes Mahl anbieten, doch bald wurden die Gruppen der Pilger zu groß. So richteten sich private Haushalte am Pilgerweg schnell darauf ein, gegen einen kleinen Obolus Bett und Essen anzubieten. Auf diesem Weg bildete sich eine kommerzielle Betreuung Reisender heraus, die eine alte Form unseres heutigen Tourismus darstellt und als Ursprung dafür anzusehen ist.

Auch die Grundsteine für den Personenschiffverkehr lassen sich in den Pilgerreisen finden. Um den Weg nach Jerusalem oder auch Rom abzukürzen, nutzten vor allem reichere Pilger gerne den Weg über das Mittelmeer. Aufgrund der großen Nachfrage spezialisierten sich einige Anbieter auf den Transport der Pilger auf dem Seeweg. Zwar konnte der Wallfahrtsort auf diesem Weg schneller erreicht werden, doch sehr komfortabel war diese Form des Reisens keineswegs. Zusammengepfercht mit vielen Gleichgesinnten auf zu wenig Raum blieb kaum Bewegungsfreiheit, oft war das Trinkwasser knapp und das Essen verschimmelt. Nicht wenige Pilger erreichten das Ufer auf der anderen Seite des Meeres nicht.  

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