Die Entstehung der Reiseliteratur
01.August 2008
Auf dem Büchermarkt gibt es für die vom Fernweh Befallenen nicht nur Reiseführer und Bildbände, sondern auch Bücher, die Reiseerfahrungen wiedergeben. In den meisten Fällen sind dies die Erlebnisse der Autoren, die eine von ihnen selbst unternommene Reise schildern. Der Stil ist dabei ganz unterschiedlich, von Erzählungen und Skizzen, reich bebilderten Tagebucheinträgen, bis zu humorvollen Schilderungen ist nahezu jede Richtung vertreten.Ihren Anfang nahm die Reiseliteratur im späten Mittelalter, als Bildung- damit war früher vor allem Lesen und Schreiben gemeint- Allgemeingut wurde. Selber auf Reise zu gehen blieb den meisten Menschen verwehrt, nur die Reichen genossen dieses Privileg. Als erste, sehr ursprüngliche Form der Reise ist das Pilgern zu nennen, also die Wallfahrt zu Orten, an denen Reliquien von Heiligen aufbewahrt werden. Pilgernde Schriftkundige schrieben ihre Erfahrungen nieder, beschrieben den Weg zu den Wallfahrtsorten, die fremden Länder und Menschen. Diese Notizen wurden von den Daheimgebliebenen dazu genutzt, ihre eigene Pilgerfahrt zu planen und sich entsprechend vorzubereiten. Jene dagegen, die sich eine Pilgerfahrt nicht leisten konnten, reisten die Strecke anhand der Beschreibung in Gedanken nach und leisteten über diesen Weg Abbitte für ihre Sünden. Dieses Pilgern im Geist war im Mittelalter angesehen und wurde mit einem ähnlichen Wert bemessen, wie eine selbst unternommene Fahrt. Vor allem Mönche und Schwestern nutzten diese Form des Pilgerns.
Über das Aufschreiben der Pilgerfahrten lebte allmählich die Reiseliteratur an sich auf. So zeichnete auch Marco Polo seine Weltreise auf, die ihn 1271 an das damalige Ende der Welt führte. Andere Reisende taten es ihm gleich. Ihre Berichte schildern dabei nicht unbedingt die Wahrheit, in vielen Werken finden sich Beschreibungen von Fabelwesen wie Hundsköpfige oder einbeinige Riesen, die sich, sobald sie auf dem Rücken liegen, mit dem Bein selber Schatten spenden können. In der Zeit, in der diese Schriften erschienen, bedienten sie das Verlangen der Leser nach Unerklärlichem. Aus der heutigen Sicht wirken sie ein wenig wie unbeholfene Fantasterei, dennoch liegen in ihnen nicht nur die Anfänge der Reiseliteratur, sondern auch die der Literatur selbst.
Nicht alle Erzähler haben die fremden Kontinente, von denen sie berichten, auch wirklich selber bereist. Viele griffen auf die Erfahrungen anderer zurück und gaben diese einfach leicht verändert wieder. So kommt es, dass sich viele Werke in Aufbau und Inhalt gleichen.
Auch Verfasser unserer heutigen Literatur bedienten sich dieser Anleihen- Karl May zum Beispiel schrieb einen großen Teil seiner Winnetou-Romane bevor er Amerika das erste Mal betrat.
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