Die Erholungsstätte Prora auf Rügen wird nun dem ursprünglichen Zweck zugeführt

27.November 2008

Der „Koloss von Rügen” steht seit über 70 Jahren nahezu unverändert zwischen Sassnitz und Binz auf der schönen Ostseeinsel. Bislang diente es als Mahnmal für die NS-Diktatur und zog jedes Jahr Unmengen Touristen an. Zwischen 1935 und 1939 geplant und errichtet solle das gewaltige Bauwerk ursprünglich 20 000 Urlaubern Platz bieten, doch nachdem der Zweite Weltkrieg verloren war, wurden die Bauarbeiten eingestellt. Seitdem liegt der größte Teil der insgesamt fünf zusammen gehörenden Gebäude brach, die Fenster sind zum Teil vernagelt, zum Teil eingeschlagen. Lediglich ein kleines Museum rund um den Koloss ist in einem der Teile untergebracht.Bereits seit Jahren wird um den weiteren Verwendungszweck diskutiert, nun wurde eine Einigung gefunden. Die Inhaber und Investoren haben sich entschlossen, die Gebäude ihrem ursprünglichen Zweck zuzuführen und Hotels in ihnen unterzubringen. Da die einzelnen Gebäudeteile verschiedene Besitzer haben, wird das Angebot unterschiedlich ausfallen. Block Fünf wird in eine Jugendherberge umgewandelt, in Block Drei soll ein Jugendsportkomplex Platz finden. Insgesamt 3000 Gästebetten werden in allen Gebäuden untergebracht und sollen bereits ab 2011 Urlauber anlocken.

Allerdings wird diese Entscheidung nicht ganz kritiklos hingenommen. Unter dem Aspekt des Denkmalschutzes spricht nicht viel für die Umwandlung des Denkmals in eine große Hotelanlage, zumal auch die Fassade geändert werden soll. Einige der Zimmer erhalten einen Balkon mit Blick auf das Meer, der jetzige Charakter des Bauwerks bleibt somit nicht erhalten. Darüber hinaus vergällt der Gedanke an die Ideologie, die hinter dem Bau steht, die Freude an dem geplanten Umbau, denn schließlich stehe hinter der Nutzung des Kolosses als Feriendomizil der Gedanke der „Kraft durch Freude”-Bewegung. Vor allem eine geplante Partyzone läuft dem Gedenke zuwider. Zumindest wird das Dokumentationszentrum rund um die Erholungsstätte Prora erhalten. Für die Erhaltung des gesamten Komplexes als reine Denkmallandschaft fehlen das Geld und die Unterstützung, der Umbau und die damit einhergehende Wiederbelebung der trostlosen Straße sollen dem Verfall entgegenwirken.

Die Hoffnung ist, im Koloss von Rügen Andenken und Erholung vereinen zu können.

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