Fahrradreise in den Orient II

14.Mai 2008

Ungarn ist ein fahrradfreundliches Land, nicht zuletzt da es hauptsächlich aus Ebenen besteht. Alle paar Kilometer erreicht man ein typisches ungarisches Dorf, wo man selbst im Kleinsten ein Lädchen existiert, das üblicherweise auch die Funktion der Dorfkneipe übernimmt. Die Versorgungslage ist also meist gut, wobei man für alle Fälle auch eigenen Vorräte mitführen sollte. Felder, Flüsse und  Dörfer wechseln sich auf unserer Reise ab. Ungarn ist ein fruchtbares Land. Allerorten finden sich Obstbäume, die eine kostenlose Zwischenmahlzeit bieten. Füllt man sich nicht gerade den Rucksack mit dem reichhaltigen Angebot, wird der jeweilige Eigentümer nicht dagegen haben, wenn man sich an seinem Baum bedient. Man sollte es aber nicht versäumen um Erlaubnis zu fragen, falls sich jemand in der Nähe befindet; schließlich sind wir Gäste und wollen einen guten Eindruck hinterlassen.

Noch haben sich hier viele ursprüngliche Dinge erhalten. Nicht jeder Fluss verfügt über eine Brücke und anstatt einer Motorfähre kann man auch einmal vorkommen, dass man ganz wie in alten Zeiten ans gegenüberliegende Ufer gerudert wird. Im ländlichen Gebieten wird man, jedenfalls zur Zeit, nur relativ selten einem Fahrzeug begegnen. Herrlich ruhige Touren über lange Strecken machen die Reise durch dieses Land außerhalb der größeren Städte zu einem besonderen Erlebnis.

Die nächste Etappe bringt uns über die rumänische Grenze. Die erste größere Stadt nach etwa dreißig Kilometer ist Satu Mare. Hier ist alles modern und sehr geschäftig, anders als man es vielleicht von Rumänien erwarten würde. Außerhalb größerer Orte ist das Land jedoch noch immer zum Teil fast mittelalterlich. Handarbeit selbst beim Straßenbau ist normal, Fuhrwerke gehören noch heute zum Straßenbild. Dafür hat sich eine herrliche Natur erhalten, etwa riesige Eichenwälder voller Steinpilze, die man an jeder Ecke erwerben kann. Die Straßen sind außerhalb der Städte beinahe durchgehend schlecht, was die gemächlichen Einwohner jedoch nicht stört – sie passen ihr Tempo den Verhältnissen an und der Besucher sollte es ebenso halten. Um Verpflegung muss man sich hier noch weniger Sorgen machen als in Ungarn – die Dörfer reihen sich hier fast nahtlos aneinander und auch hier gibt es überall ein Lokal mit preiswerten Gerichten und Getränken.

Ab Certeze nähern wir uns den Karparten – vorbei die gemütliche Fahrt in der Ebene. Auch hier muss man sich um Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeiten keine Sorgen machen. Ähnlich wie in den Alpen gibt es bewirtschaftete Hütten, die auch die Möglichkeit zum Campen anbieten.

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