Festung USA

06.Juni 2008

Wer zu Zeiten des kalten Krieges wenigsten einmal in den Ostblock und insbesondere in die DDR eingereist ist, erinnert sich gewiss mit Schrecken an das Prozedere der Grenzkontrolle. Akribische Prüfung der Papiere, des Fahrzeugs, des Gepäcks nach allen Regeln der Kunst war Standard. Will man heutzutage in die Vereinigten Staaten einreisen, entsteht leicht der Eindruck, die Mauer sei nicht gefallen, sondern stünde heute nur an einem anderen Ort. Als Tourist oder als Geschäftsmann in die USA hinein zukommen wird ständig komplizierter. Die beizubringenden Informationen und die vom Einreisenden erfassten Daten übersteigen den Kontrollzwang der Zonengrenzer längst bei weitem.Ab nächstem Jahr wird ein Abstecher in The Land of the Free noch ein weniger schwieriger. Ganz aussen vor bleiben dann jene Zeitgenossen, die sich bislang noch keinen Internetzugang eingerichtet haben oder sich gar mit der Bedienung eines Computers nicht auskennen. Obligatorisch wird nämlich eine Online-Registrierung eingeführt. Ob die Amerikaner jeden, der sich nicht im Cyberspace bewegen will oder kann für potentielle Terroristen halten, weiss man nicht. Die offizielle Begründung für diesen Schritt ist die angebliche Vereinfachung des Einreiseverfahrens, zum Beispiel durch die Einsparung der Formulare, die man bislang auf dem Hinflug ausfüllen musste. Keinesfalls eine Vereinfachung, jedenfalls nicht für den Reisenden, ist die gesetzte Frist für diese Registrierung. Wer sie nicht spätestens drei Tage zuvor macht, braucht gar nicht erst in den Flieger zu steigen, da er nicht durch die Grenzkontrolle kommen wird. Ein ungeplanter Trip nach New York zum Wochenend-Shopping fällt damit schon einmal flach. Unvorhergesehene Ereignisse wie plötzliche Geschäftstermine sollten künftig auch nicht mehr vorkommen – sorgfältige Planung ist jetzt angesagt.

In das Online-Formular gehören übrigens sämtliche Angaben, die bislang auch in Papierform zu machen waren. Zusätzlich wird man bei der Einreise auch Abdrücke aller zehn Finger nehmen, statt bisher nur die der Zeigefinger. Es empfiehlt sich also, bei drüben geplanten Verbrechen und Anschlägen Handschuhe zu tragen, besonders,  da künftig auch bei der Ausreise die Fingerabdrücke gescant werden. Immerhin darf nach dieser Prozedur die folgenden zwei Jahre ohne erneute Registrierung die US-Grenze passieren.

Die Europäische Union stellt sich seit Bekanntwerden dieser Pläne übrigens die Frage, ob da durch die Hintertür die für Deutschland weggefallene Visumspflicht wieder eingeführt wird. Man war in Brüssel über das Vorgehen der Amerikaner nicht sonderlich begeistert.

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